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Album der Woche auf MDR Kultur

Alex Behning spielt Folk und Blues und es gelingt ihm, mit seinen deutschen Texten die Musik nicht nur zu begleiten, sondern sie auch anzureichern. Sein Album "Streunen ohne Schnur" ist voll mit warmem Sound und Tiefe. Vorgestellt von Jan Kubon, MDR KULTUR-Musikredakteur Sendung hören



«Klar bin ich mit englischsprachigem Blues und Rock aufgewachsen. Aber als ich angefangen habe, eigene Songs zu schreiben, da war das gleich in Deutsch. Am Anfang war es ein wenig schwierig, aber jetzt hat sich das ganz gut kalibriert, und ich habe eine Sprache gefunden, in der ich meine Gefühle gut ausdrücken kann.»


So beantwortet Alex Behning, eigentlich ein echtes Nordlicht – jetzt aber bekennender Süddeutscher – die Frage, warum er als Solokünstler immer nur deutsch singen wollte. Klar erfindet Behning mit seinem Album "Streunen ohne Schnur" den deutschsprachigen Blues oder Folk nicht neu. Unsere Muttersprache hat sich als Liedersprache im Indiepop schon wieder gut etabliert und klingt sogar catchy und modern, zum Beispiel bei Die Höchste Eisenbahn, Das Paradies, Gisbert zu Knyphausen, Ami Warning oder Mine. Am – und jetzt nennen wir das Kind mal beim Namen – deutschsprachigen Rock klebt jedoch immer noch so eine Anmutung von "gestern", von "uncool".

In den Texten neue poetische Welten entdecken

Ausnahmen gibt es und die sind als Vergleiche für Behnings direkte und klare und trotzdem rhythmische und fantasievolle Sprache auch dienlich– Stoppok wäre so ein Name. Vielleicht auch der frühe Westernhagen, aber eben nur der frühe. Der spätere Gucci-Träger taugt nicht als Vorbild für junge Songwriter, denen das Ehrliche, das Direkte, das Klare besonders wichtig sind. Und dazu gehört Alex Behning definitiv. Dieser Selbstverpflichtung zur Klarheit opfert der Musiker und Texter aber nie die Poesie.

«Die Herausforderung ist es, eine Sprache zu finden, die nicht zu verkorkst klingt. Es muss interessant genug bleiben, damit der Hörer weiter Lust hat, das zu hören. Und es muss genug Fläche bieten und Türen aufmachen, dass man neue poetische Welten entdecken kann, dass man sich selbst wieder auf die Reise macht durch die Texte zu neuen Gedanken..»


Studio-Album voll mit warmem Sound und Tiefe

Was am Album "Streunen ohne Schnur" neben der cleveren Textarbeit noch so gut gefällt, ist der warme Sound mit herrlich viel Transparenz und Tiefe. Eingespielt wurde das Album live im Studio. Und das hört man an den kleinen charmanten Ungenauigkeiten, egal ob nun geplant oder eher zufällig aufs Band geraten, wie das minimale Verstärkerbrummen oder die analoge Bandsättigung. All das bringt das Album noch näher an den Hörer und zieht den Vorhang im Kopfkino auf. Auf der Leinwand erscheint dann ein Club mitten in der Holsteiner Pampa: Draußen ein heißer Sommerabend mit dem monotonen Brummen der Windkraftanlage und drinnen stehen dicht gedrängt und schwitzend glückliche Menschen, die gemeinsam einem wirklich tollen Blues-Geschichtenerzähler zuhören. Das Plakat im Wechselrahmen auf der Toilette kennt seinen Namen: Alex Behning und sein Album "Streunen ohne Schnur". Beides: Name und Albumtitel sollte man sich unbedingt merken!

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